„Heute bin ich Superman!“. Wie jeden morgen bringe ich meine Tochter in die Kita. Wie fast jeden morgen werden wir überrannt von Supermännern, Prinzessinnen und sonstigen bunten Gestalten mit und ohne Superkräften.

In der Kita ist der Teufel los. Es ist laut. Da wird gelacht, gejubelt und gequietscht. Ein kleiner Junge flitzt im Kostüm an mir vorbei. „Heute bin ich Superman!“

Wann haben wir verlernt groß zu träumen?

Ich schaue ihn an und verfalle in meine altkluge Mutterrolle. Denke bei mir „träume nur, kleiner Mann,.. die Realität holt Dich schon früh genug..“.

Und auf einmal bin ich entsetzt. Über mich und meine eigene Weltanschauung.

Eigentlich beneide ich diesen Jungen. Denn er geht grade vollends auf in der Idee, die Welt zu retten, es den Bösen zu zeigen und den Unschuldigen zu helfen. Bähm. Puff. Pow. Hier geht es gar nicht darum, mit Fäusten zu handeln, sondern um eine Vision. Die Welt darf und soll ein besser Ort werden. Was ist verkehrt daran? Warum belächle ich ihn milde für diesen Wunsch und seinen Tatendrang etwas dafür zu tun?

Letztlich geht es mir oft ähnlich. Ich habe mein Business aufgebaut mit der Motivation Frauen zu helfen, sich ein finanziell unabhängiges Leben aufzubauen. Meine Vision ist eine Welt, in der Frauen ihr Leben so leben dürfen, wie sie es selbst für richtig halten. Und zwar nicht nur auf dem Papier.

Jeden Tag sehe ich müde Mütter, die irgendwie versuchen ihren Vollzeitjob und ihre Mutterschaft in ein ausgewogenes Verhältnis zu rücken… Über den Erfolg kann man streiten. Meist sind es die Frauen selbst, die dabei auf der Strecke bleiben. Sie wollen die liebevolle Mutter sein, das gute Vorbild, die perfekte Hausfrau, die liebende Partnerin und ganz nebenbei noch in ihrem Beruf aufgehen und dafür ein angemessenes Gehalt verdienen.  Kann das funktionieren?

Die Antwort lautet oftmals „Nein“. Denn der Druck, den wir uns selbst auferlegen ist häufiger größer als das, was tragbar ist. Wir haben gelernt nicht zu viel zu fordern, uns zurückzuhalten, an unsere gute Erziehung zu denken. Sei nicht vorlaut. Sei nicht so fordern. Sie nicht so überheblich. Sei nicht so arrogant. Ach Gott, was haben wir nicht alles zu hören bekommen in unserer Kindheit. Und trotzdem dürfen wir es unseren Eltern nicht übel nehmen. Auch sie haben ihr bestes gegeben. Doch wir sind diesen Kinderschuhen entwachsen und müssen in die eigene Verantwortung kommen. Wir müssen handeln. Uns das Leben erschaffen, dass wir leben wollen. Doch wo anfangen?

Beginne mit einem großen Traum.

Warum fühlen wir uns schuldig, wenn wir davon träumen Superman zu sein? Oder Superfrau – ist ja auch schnurzpiepegal. Was ist so verwerflich daran groß zu träumen? Egal ob vom großen Haus, der großen Weltreise oder dem großen Einkommen… Was ist so schlecht daran?

Wir wollen nicht fordern. Nicht nur auf Besitz schauen. Wir wollen schließlich unsere Werte leben.

Absolut in Ordnung. Doch wer sagt, dass nicht auch das eine und das andere zusammen funktioniert?

Wer legt die Grenzen fest? Du allein.

Danke Deinen Eltern für ihre Bemühungen, Dich zu einem guten Menschen zu erziehen. Sie haben wirklich gute Arbeit geleistet. Doch jetzt ist es an der Zeit, selbst die Ärmel hochzukrempeln und ins Handeln zu kommen.

Du willst doch Deinem Kind zeigen, dass es alles werden kann? Du willst Deinem Kind doch beweisen, dass alles möglich ist und Träume sich erfüllen können, oder?

Es gab eine Zeit, da konnte ich weder laufen noch reden…

Erinnere Dich zurück an das kleine Wesen, dass Du einst in den Armen gehalten hast. Das kleine unschuldige Glück, dass weder sprechen noch laufen konnte… Das voll und ganz auf Deine Hilfe, Deine Liebe, Deine Geduld angewiesen war. Und schau, wie es sich entwickelt hat.

Weißt Du, Du warst auch mal ein Baby. Lach‘ nicht. Ist doch wahr! Auch Du warst mal so ein kleines Huschel, dass nicht reden, laufen, lesen oder schreiben konnte,… Das alles hast Du Dir erarbeitet. Du warst neugierig auf die Welt, hast sie hinterfragt – infrage gestellt. Du wolltest wissen, lernen, verstehen…

Auch Du hast vermutlich Deine Mutti in den Wahnsinn getrieben, wenn Du gedankenverloren am Straßenrand stehen geblieben bist, um die Schnecke zu beobachten, die sich mit einer absolut faszinierenden Langsamkeit in ihr Schneckenhaus zurückgezogen hat…

Heute willst Du immer gleich alles können. Es muss schnell gehen. Möglichst sofort perfekt sein. Du erlaubst Dir keine Zeit zum Träumen, ausprobieren, Neugierig sein,.. Du hast Angst vor negativen Reaktionen..  

Was ist passiert?

Ich will es Dir sagen. Irgendwann wurdest Du eingeschult. Du lerntest stillsitzen, Dich zu melden, wenn Du etwas sagen wolltest und Du lerntest, dass es Vorgaben gibt für richtig oder falsch.

Du hast gelernt, dass alle an einem Maßstab gemessen werden, egal ob die Voraussetzungen gleich sind. (Frag‘ mich mal – ich war immer die Zweitkleinste… Im Sport war es kein Vergnügen, dass die selben Kriterien für mich galten wie für meine beste Freundin, die knapp 20cm größer war als ich…)

Du hast gelernt, was andere Dir vorschrieben. Nicht nach Deinem eigenen Wissensdurst, sondern nach einem Schulplan, den andere Dir vorgaben. Du hast nicht gelernt, weil es Dir Spaß und Freude brachte, sondern weil Du musstest.

Nicht für die Schule lernst Du, sondern fürs Leben… Denkste.

Und irgendwann warst Du fertig mit der Schule. Hast eine Ausbildung gemacht oder bist Studieren gegangen. Und wieder ging das Spiel von vorne los. Lernen nach Plan und Vorlage. Benotung. Leistungsdruck. Stress.

Als auch das vorbei war, begann das Leben. Doch da war nichts so, wie Du es erwartet hast. Alles war anders. Darauf hatte Dich keiner vorbereitet…

Du hast Dich selbstständig gemacht, um diesem Hamsterrad zu entfliehen. Endlich DEIN Leben leben zu dürfen. Frei von Zwängen und Vorgaben. Nach Deinem Rhythmus, Deinen Vorstellungen,…

Doch Du spürst die Widerstände, die Ketten, die Dich immer noch zurückhalten. Du willst so gerne.., doch Du schaffst es nicht. Das wird doch nie was… Das pack‘ ich nicht… Das geht doch nicht.. Ich kann doch nicht…

Meine Tochter stubst mich an. „Morgen bin ich Supermann.“ Sie lächelt voll Vorfreude. Und ich lächle mit. „Ja – morgen bist Du Supermann. Und weißt Du was? Ich auch!!!“

Schau auf Dein Kind. Sieh es Dir genau an. Was hat es in den letzten Jahren alles gelernt? Welche Fähigkeiten entwickelt? Mit welch wunderbarer Neugier hat es Dinge entdeckt? Sich für oder gegen etwas entschieden?

Wie traumhaft schön ist dieser kindliche Starrsinn, wenn etwas nicht nach den eigenen Wünschen läuft.. 

Wie herrlich nachahmenswert ist die Beharrlichkeit, der Ideenreichtum und die Phantasie Deines Kindes, wenn es darum geht, den eigenen Willen durchzusetzen…

Wie unglaublich einladend ist diese Zeitlosigkeit,.. dieses absolute Unverständnis für heute, morgen, gestern… einen Tag,.. eine Stunde…

Meine Tochter ist jetzt fünf Jahre alt. Und ich finde es beachtlich, was sie mir jeden Tag Neues beibringt,… Was lernst Du von Deinem Kind?

 

Du wünschst Dir weitere Denkanstöße, die Dir helfen Deine Grenzen zu erkennen und zu überwinden?

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